Verlorener Kulturschatz: Bibliothek in Timbuktu angezündet

29 Jan

Jahrhunderte alte Handschriften wurden darin aufbewahrt. Bei ihrem Rückzug aus der Wüstenstadt legten die malischen Islamisten Feuer. Wieviele Manuskripte für immer zerstört wurden, ist noch nicht absehbar.

Timbuktu – „Perle der Wüste“ wird Timbuktu genannt. Ihre jahrhundertealte Moscheen und Mausoleen gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. In den vergangenen Monaten wurden viele der antiken Bauten in der malischen Wüstenstadt jedoch von den Islamisten verwüstet. Und auch ein Schatz historischer arabischer Schriften scheint nun für immer verloren: Die Extremisten zündeten eine Bibliothek an, in der mehr als 20.000 Handschriften aufbewahrt wurden.

Gegründet wurde Timbuktu wahrscheinlich bereits vor 1100 n. Chr. an einer Wasserstelle des Nigerbodens. Schon Mitte des 14. Jahrhunderts war die Oasenstadt in Südeuropa bekannt. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wuchs sie zu einer blühenden Stadt heran und galt als bedeutende Universitätsstadt.

Vor allem im 15. und 16. Jahrhundert entwickelte sich „das Tor zur Sahara“ zu einem Zentrum für Bildung und Wissenschaft, religiöse und ethnische Toleranz.

Älteste Handschriften aus dem 13. Jahrhundert

Das Institut Ahmed Baba beherbergt eine von rund 80 Privatbibliotheken Timbuktus mit der wohl bedeutendsten Sammlung alter westafrikanischer Manuskripte. Die bis zu 30.000 Handschriften befassen sich mit Pflanzenmedizin und Mathematik, Musik, islamischem Recht oder Poesie. Die ältesten stammen aus dem 13. Jahrhundert.

Ziel des in den 1970er Jahren gegründeten Instituts war es, die Manuskripte zu sammeln, zu restaurieren, zu katalogisieren und fachgerecht aufzubewahren. Sie sind historisch mit der Islamisierung Westafrikas verbunden. Die Bibliothek, die zum gleichnamigen Institut gehört, wurde 2009 für etwa 7,5 Millionen Dollar (5,6 Millionen Euro) und mit Unterstützung Südafrikas errichtet.

Schaden noch nicht absehbar

Das Bibliotheksgebäude wurde vor fünf Tagen ein Raub der Flammen. Bei ihrem Rückzug aus Timbuktu legten die Extremisten Feuer, sagte der nach Bamako geflohene Bürgermeister Hallé Ousmane Cissé der Deutschen Presse-Agentur dpa: „Das ist eine Katastrophe für Timbuktu und die ganze Menschheit.“ Er war von zurückgeblieben Stadtvertretern informiert worden. Wie viel von dem Gebäude zerstört wurde und ob Manuskripte nun für immer verloren sind, konnte der Bürgermeister nicht sagen.

Erst im vergangenen Jahr hatten die Islamisten einen Großteil der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden antiken Mausoleen in Timbuktu zerstört. Nach Darstellung von Historikern traf dies wichtige Stätten, die zur Geschichte des Islams in Afrika gehören. (tt.com, dpa, APA)

Quelle: Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 29.01.2013 09:50

Video: The lost libraries of Timbuktu

 

 

Islamisten zerstören Weltkulturerbe in Timbuktu

 

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